Maurice Ravel (1875–1937)
La Valse — Poème chorégraphique
Über das Werk
Ravels „La Valse" ist eines der ambivalentesten Werke der frühen Moderne — eine Hommage an den Wiener Walzer, die zugleich seinen Untergang erzählt. Ravel beschrieb die Szene programmatisch: ein wirbelnder Walzer in einem prachtvollen Kaisersaal, der schrittweise aus den Fugen gerät und in einem klanglichen Strudel zerschellt.
Komponiert kurz nach dem Ersten Weltkrieg, wird das Stück häufig als musikalische Allegorie auf das Ende des alten Europa gelesen — auch wenn Ravel selbst diese Deutung verneinte. Die Solo-Klavier-Fassung verlangt von der Pianistin oder dem Pianisten, die orchestrale Klangmasse mit nur zwei Händen zu evozieren — eine der größten Herausforderungen des Solo-Repertoires.
Diaghilew lehnte das Werk für sein Ballets Russes ab; die Uraufführung fand 1920 als Konzertstück mit Orchester statt. Heute zählt „La Valse" zu den meistgespielten Werken Ravels.