Ernest Chausson (1855–1899)
Poème
Über das Werk
Ernest Chausson schrieb das „Poème“ 1896 für den belgischen Geiger Eugène Ysaÿe, der es im selben Jahr in Nancy uraufführte. Ursprünglich war ein Violinkonzert geplant; Chausson verwarf die Form und schuf stattdessen ein einsätziges Stück von etwa sechzehn Minuten.
Angeregt wurde es von Iwan Turgenjews Erzählung „Das Lied der triumphierenden Liebe“ — eine Geschichte über Musik, die stärker wirkt als der Wille dessen, der sie hört. Von der Handlung ist im Stück nichts nachzuerzählen; geblieben ist die Atmosphäre.
Die Violine beginnt allein, in tiefer Lage, fast tastend. Was folgt, ist kein Wettstreit zwischen Solist und Begleitung, sondern ein durchgehender Bogen, der sich zweimal aufbaut und beide Male zurückgenommen wird. Das „Poème“ gehört zum Kernrepertoire jedes Geigers und existiert in Fassungen mit Orchester wie mit Klavier.