Dmitri Schostakowitsch (1906–1975)
Klaviertrio Nr. 2 e-Moll, op. 67
Über das Werk
Schostakowitschs Klaviertrio Nr. 2 e-Moll, op. 67 ist eines der erschütterndsten Kammermusikwerke des 20. Jahrhunderts. Komponiert 1944 unter dem unmittelbaren Eindruck des Todes seines engsten Freundes Iwan Sollertinski und der ersten Berichte über die Befreiung der Vernichtungslager in Polen, verbindet das Werk persönliche Trauer mit kollektivem Gedenken.
Die vier Sätze — Andante, Allegro con brio, Largo, Allegretto — durchlaufen einen extremen emotionalen Bogen: vom geisterhaft hohen Cello-Flageolett der Eröffnung über zwei rauschhafte Allegros bis zum berühmten Finale, das auf einer klezmer-artigen Tanzmelodie aufbaut. Schostakowitsch greift dabei jüdische Volksmusik-Idiomatik auf — als Echo auf die Nachrichten aus Treblinka und Auschwitz und zugleich als persönliche Mahnung.
Das Trio ist heute fester Bestandteil des Standard-Repertoires und wird weltweit gespielt. Es gilt zusammen mit Schostakowitschs 8. Streichquartett als Schlüsselwerk seiner Auseinandersetzung mit dem 20. Jahrhundert.