Franz Schubert (1797–1828)
Streichquartett Nr. 15 in G-Dur, D 887
Über das Werk
Franz Schubert schrieb sein letztes Streichquartett im Juni 1826, in zehn Tagen. Zu Lebzeiten wurde nur der erste Satz öffentlich gespielt; die vollständige Aufführung erlebte er nicht. Gedruckt wurde das Werk erst 1851, dreiundzwanzig Jahre nach seinem Tod.
Gleich der erste Takt setzt den Ton: ein G-Dur-Akkord, der ins Moll kippt, bevor man ihn gefasst hat. Dieses Schwanken zwischen Dur und Moll durchzieht alle vier Sätze – nicht als Effekt, sondern als Haltung. Mit fünfzig Minuten ist es Schuberts längstes und harmonisch weitest gehendes Quartett; Stellen daraus klingen näher an Bruckner als an Beethoven.
Der zweite Satz, ein Andante in e-Moll, gehört zu den unheimlichsten Sätzen der Kammermusikliteratur: Eine ruhige Cellomelodie wird zweimal von Ausbrüchen zerrissen, die aus dem Nichts kommen und ebenso plötzlich abbrechen.