Anjulie Chen
Klavier
„Bewundernswerte musikalische Sensibilität … voller Subtilität, Eleganz und Wärme."
Biografie
Die deutsche Pianistin Anjulie Chen kommt aus München und hat ihre Ausbildung zwischen München und London absolviert. Ihr Spiel — von der Kritik für „Subtilität, Eleganz und Wärme“ gelobt — gilt vor allem dem Schubertschen und französischen Repertoire.
Tochter der Pianistin Yumiko Yamamoto, war Tanz bis zu ihrem 15. Lebensjahr ihr Hauptausdruck — als Solistin mit dem Bayerischen Staatsballett. Eine Verletzung beendete 2015 die Ballettkarriere; seitdem konzentriert sie sich aufs Klavier. Ihre Ausbildung führte sie zunächst an die Hochschule für Musik und Theater München zu Thomas Böckheler, später an die Royal Academy of Music London zu Colin Stone, wo sie Bachelor, Master und Professional Diploma jeweils mit Auszeichnung abschloss. 2019 erhielt sie den 3. Preis beim Lagny-sur-Marne International Piano Competition, 2022 erreichte sie das Semifinale beim Birmingham International Piano Competition, 2024 wurde sie mit dem Help Musicians Postgraduate Award ausgezeichnet. 2021 gab sie ihr Solo-Debüt beim Beethoven Festival in Tokio. Sie ist zweifache DAAD-Stipendiatin und gründete in München die Kulturinitiative SINNENWANDELN für freie kulturelle Teilhabe.
Bei Elysium Concerts ist Anjulie Chen am 9. Januar 2026 mit dem Programm „Aurora“ im Johannissaal von Schloss Nymphenburg zu erleben — gemeinsam mit dem Geiger Simon Luethy und dem Cellisten Kokoro Ryu. Der Abend führt in drei Stationen — Erwachen, Licht & Aufbruch, Zukunft & Hoffnung — von Arvo Pärt und Lili Boulanger über Schubert und Janáček bis zu Astor Piazzollas Cuatro Estaciones Porteñas.
Im Gespräch
Was reizt dich am Programm „Aurora“?
Wir haben den Abend als Bogen in drei Phasen gebaut — Erwachen, Licht & Aufbruch, Zukunft & Hoffnung — und das macht ihn dramaturgisch ungewöhnlich. Pärts „Spiegel im Spiegel“ am Anfang ist fast Stille, Piazzollas „Vier Jahreszeiten“ am Ende fast Tanz. Diese Spannweite mit Simon und Kokoro auszuloten ist genau die Art von Programm, für die ich Kammermusik mache.
Schuberts Notturno Es-Dur steht im Zentrum von „Aurora“ — warum?
Das Notturno ist eines der intimsten Stücke des späten Schubert — drei Stimmen, die kaum mehr tun, als gemeinsam zu atmen. Wir setzen es bewusst in den Mittelteil, weil es nach den Erwachens-Klängen zu Pärt und Boulanger eine Art Innehalten ist, bevor das Stück nach vorn öffnet. Schubert begleitet mich seit Studienzeiten, und er ist hier der ruhige Mittelpunkt.
Du bist bis 15 als Balletttänzerin auf der Bühne gestanden. Was nimmst du davon ans Klavier mit?
Mehr als ich anfangs gedacht habe. Beim Tanz lernt man, einen ganzen Satz mit dem Körper zu phrasieren — diese Vorstellung von einer Linie, die getragen werden muss, lässt sich auf jede Phrase am Klavier übertragen. Auch Pausen sind seitdem für mich nichts Statisches; sie sind Bewegung im Stillstand.
Du hast in München SINNENWANDELN gegründet — was steckt dahinter?
SINNENWANDELN ist eine Kulturinitiative, die sich für freie kulturelle Teilhabe einsetzt — unabhängig vom Einkommen. Klassische Musik soll nicht nur in Sälen mit teuren Tickets stattfinden. Für mich ist das ein Anliegen, das genauso zu meiner Arbeit als Pianistin gehört wie das Üben.
Du bist Münchnerin und spielst „Aurora“ in Schloss Nymphenburg — ein Heimspiel?
Auf eine schöne Art ja. Ich bin in dieser Stadt aufgewachsen, und der Johannissaal ist ein Ort, an dem ich als Kind selbst Konzerte gehört habe. Hier zu spielen — und dann gleich mit zwei Musikern, die mir musikalisch nahe sind — fühlt sich richtig an. Die Akustik des Saals trägt jeden leisen Ton, das ist für ein Programm wie „Aurora“ ein Geschenk.