Kokoro Ryu
Cello
Biografie
Die in einer japanisch-taiwanesischen Familie aufgewachsene Cellistin Kokoro Ryu zählt zu den vielversprechendsten jungen Stimmen ihres Instruments. Ihr Repertoire reicht von der Wiener Klassik bis ins 21. Jahrhundert, mit besonderem Gespür für kammermusikalische Klangfarben.
Bereits mit vier Jahren begann Ryu mit dem Klavier, mit neun wechselte sie zum Cello und wurde mit zwölf an der renommierten Purcell School for Young Musicians in London aufgenommen. Nach pandemiebedingter Rückkehr nach Tokio setzte sie ihr Studium an der dem Tokyo University of the Arts angegliederten Hochschule fort. 2022 gewann sie das Student Music Concours of Japan, 2023 erhielt sie den Antonio-Meneses-Preis; bereits mit vierzehn führte sie Oliver Knussens Klavierquartett „Upon One Note“ in der Elizabeth Hall uraufgeführt. Sie ist Mitglied der Ozawa International Chamber Music Academy Okushiga, des Asian Youth Orchestra und Solocellistin des Junior Philharmonic Orchestra; 2025 spielte sie das Schumann-Cellokonzert mit den Jungen Münchner Symphonikern. Künstlerische Impulse erhielt sie u.a. von Wen-Sinn Yang, Antonio Meneses und Natalie Clein.
Bei Elysium Concerts ist Kokoro Ryu in der Saison 25/26 in zwei Programmen im Johannissaal von Schloss Nymphenburg zu erleben — am 21. November 2025 in „Groove Europa“ und am 9. Januar 2026 im Trio „Aurora“ mit Anjulie Chen und Simon Luethy mit Werken von Pärt, Schubert, Boulanger und Piazzolla.
Im Gespräch
Was reizt dich am Trio „Aurora“?
Wir haben den Abend als Bogen in drei Phasen gebaut — Erwachen, Licht & Aufbruch, Zukunft & Hoffnung — und das Cello hat in jeder Phase eine andere Funktion. Bei Pärt fast nur Bordun, bei Janáček erzählend, bei Piazzolla tanzend. Dieser Rollenwechsel mit Anjulie und Simon zu spielen ist genau die Art von Programm, in der Kammermusik ihre Stärke zeigt.
Schuberts Notturno Es-Dur steht im Zentrum von „Aurora“ — was bedeutet es dir?
Die Cello-Linie im Notturno ist eine der schönsten Schubert je geschrieben hat — sie trägt das Stück, ohne sich aufzudrängen. Wenn die drei Stimmen gemeinsam atmen, entsteht ein Moment, in dem wirklich nichts mehr erklärt werden muss. Das ist für mich Kammermusik in Reinform.
Du hast 2023 den Antonio-Meneses-Preis erhalten. Was hast du von Antonio Meneses gelernt?
Antonio hat mir vor allem etwas über die Architektur einer Phrase beigebracht — wie man eine Linie über lange Strecken trägt, ohne sie zu zerteilen. Das klingt simpel, ist aber technisch und mental sehr anspruchsvoll. Seitdem höre ich anders zu, auch wenn ich nicht selbst spiele.
Du bist in einer japanisch-taiwanesischen Familie aufgewachsen — wie prägt dich das?
Beide Kulturen schätzen Disziplin und Konzentration sehr — das hat mich von klein auf geprägt. Gleichzeitig haben mich die Jahre an der Purcell School in London und das Reisen quer durch Europa und Asien gelehrt, dass Musik kulturelle Grenzen viel leichter überwindet als Sprache. Beides zusammen prägt mein Spiel.
Was unterscheidet den Johannissaal in Schloss Nymphenburg für dich?
Der Johannissaal trägt jeden tiefen Ton mit großer Wärme — das ist für ein Cello besonders dankbar. Die historische Akustik und die Nähe zum Publikum machen Konzerte hier zu echten Begegnungen. Ich freue mich besonders, gleich zwei sehr unterschiedliche Programme in diesem Saal spielen zu dürfen.