Matthias Well
Violine
Biografie
Der deutsch-französische Geiger Matthias Well lebt in München und bewegt sich gleichermaßen zwischen klassischem Solorepertoire und den Musiken unterschiedlichster Volkstraditionen — vom Tango bis zum Klezmer, vom bayerischen Volkslied bis zur sephardischen Musik.
1993 in München als Sohn des bayrischen Kabarett-Musikers Michael Well (Biermösl Blosn) geboren, begann er mit fünf Jahren Geigenunterricht. Sein Studium an der Hochschule für Musik und Theater München bei Mikyung Lee schloss er 2015 mit Bachelor und 2018/2020 mit zwei Masterabschlüssen jeweils mit Auszeichnung ab; weitere Impulse kamen von Kirill Troussov und in Meisterkursen mit James Ehnes, Augustin Hadelich, Dimitry Sitkovetsky und Julia Fischer. 2017 ermöglichte ihm der Fanny-Mendelssohn-Förderpreis sein Debütalbum „Funeralissimo“ — eine Hommage an Trauermusiken aus aller Welt mit seiner Schwester, der Cellistin Maria Well, und dem Akkordeonisten Zdravko Živković — das in die Top 20 der deutschen Klassikcharts einzog. In seinem laufenden Projekt „Well Travelled“ trifft er wöchentlich Musikerinnen und Musiker aus aller Welt, um in deren Volksmusik einzutauchen.
Bei Elysium Concerts ist Matthias Well am 25. Juli 2026 mit dem Programm „La Vida“ im Johannissaal von Schloss Nymphenburg zu erleben — gemeinsam mit der Pianistin Lilian Akopova und dem Geiger Simon Luethy. Der Abend reicht von Schulhoffs „Hot Sonata“ und Milhauds Sonate für zwei Violinen über Ravels „La Valse“ bis zu Piazzolla und Sarasates funkelnder „Navarra“ — ein Programm, das zu Wells Liebe für klangliche Vielfalt und rhythmische Energie passt wie kaum ein anderes.
Im Gespräch
Was reizt dich am Programm „La Vida“?
Es ist ein Abend, der kulturell und rhythmisch immer wieder die Hemisphäre wechselt — Tango, Jazz, spanische Folklore, französische Moderne. Genau diese klangliche Vielseitigkeit suche ich auch in meinen anderen Projekten. Mit Lilian und Simon zu spielen, die diese Welten ebenso lieben wie ich, ist einfach pure Freude.
Sarasates „Navarra“ für zwei Violinen ist das Finale. Was macht das Stück besonders?
„Navarra“ ist die spanische Variante eines Geigen-Drahtseilakts — für zwei Violinen, die gleichzeitig virtuos und tänzerisch sein müssen. Sarasate war selbst Geiger, und das hört man in jeder Phrase. Mit Simon dieses Stück zum Abschluss zu spielen ist für mich der Höhepunkt eines Abends, der ohnehin schon viel Energie verlangt.
In deinem Projekt „Well Travelled“ beschäftigst du dich mit Volksmusik aus aller Welt. Wie verbindet sich das mit klassischer Geige?
Mehr als ich früher gedacht habe. Ein Sarasate, ein Piazzolla, ein Schulhoff — all diese Komponisten haben Volksmusik in klassische Form übersetzt, ohne ihr die Energie zu nehmen. Wenn ich vorher tatsächlich mit den Musikern in Andalusien oder Argentinien gespielt habe, höre ich die Stücke anders, fast aus den Wurzeln heraus.
Du kommst aus einer berühmten bayrischen Musikerfamilie. Wie hat dich das geprägt?
Bei meinem Vater Michael ist Musik nie etwas Akademisches gewesen — sie war Teil des Alltags, oft mit Witz und politischem Kommentar. Das hat mich gelehrt, dass die Geige nicht nur in Konzertsälen klingt, sondern überall etwas zu sagen haben kann. Mit meiner Schwester Maria spiele ich heute in dieser Tradition weiter — sehr ernsthaft, aber nie steif.
Was unterscheidet den Johannissaal in Schloss Nymphenburg für dich?
Der Saal hat eine Direktheit, die ich liebe — keine sechs Meter Distanz zum Publikum, jede Phrase ist sofort hörbar. Für ein Programm wie „La Vida“, das vom rauen Schulhoff-Sound bis zur funkelnden Sarasate-Virtuosität reicht, ist diese Nähe entscheidend. Hier kann man die Geige nicht hinter Lautstärke verstecken.