Streichquartett München — warum vier Stimmen die schwerste Übung sind
Vier Menschen, vier Stimmen, kein Dirigent: Das Streichquartett gilt als anspruchsvollste Form der Kammermusik — und als die ehrlichste. Wer in München klassische Konzerte hört, begegnet ihm überall. Was aber macht diese Besetzung so besonders, dass Komponisten von Haydn bis Kurtág ihr Bestes darin schrieben?
Zwei Violinen, eine Bratsche, ein Cello
Die Besetzung ist seit rund 250 Jahren unverändert. Sie deckt den Tonumfang eines Chors ab: erste Violine als Sopran, zweite Violine als Alt, Viola als Tenor, Violoncello als Bass. Alle vier gehören derselben Instrumentenfamilie an, klingen also verwandt — und genau deshalb hört man jede Abweichung. Es gibt kein Klavier, das Ungenauigkeiten überdeckt, und kein Blasinstrument, hinter dessen Farbe man sich verstecken könnte.
Joseph Haydn hat die Form in den 1770er-Jahren zu dem gemacht, was sie heute ist. Vor ihm war die erste Geige Solistin und der Rest Begleitung. Bei Haydn beginnen alle vier miteinander zu sprechen — ein Prinzip, das Goethe später als Gespräch zwischen vier vernünftigen Leuten beschrieb.
Warum es so schwer ist
Ein Orchester wird von außen zusammengehalten. Ein Streichquartett muss sich selbst führen — bei jedem Einsatz, jedem Tempowechsel, jedem Ritardando. Vier Musikerinnen und Musiker müssen dieselbe Vorstellung davon haben, wie eine Phrase atmet, und sie ohne Worte durchsetzen. Deshalb bleiben Quartette oft über Jahre in derselben Besetzung zusammen: Was sie können, entsteht nicht in Proben für ein Konzert, sondern über Jahre.
Hörbar wird das an Werken, die nichts verzeihen. Franz Schuberts Streichquartett Nr. 15 in G-Dur kippt schon im ersten Takt von Dur nach Moll und hält diese Unsicherheit fünfzig Minuten lang. Dmitri Schostakowitschs Streichquartett Nr. 8 ist in drei Tagen entstanden und liest sich wie eine Autobiografie in Tönen — durch alle fünf Sätze zieht sich das Tonmotiv D–Es–C–H, die Initialen des Komponisten.
Streichquartett hören in München
Die großen Häuser der Stadt programmieren Quartette regelmäßig, oft in Sälen für mehrere hundert Menschen. Kammermusik entfaltet ihre Wirkung aber im kleinen Raum — dort, wo du das Atmen vor dem Einsatz hörst und siehst, wie sich die vier gegenseitig ansehen, bevor eine Stelle beginnt.
Genau dafür sind die historischen Säle von Schloss Nymphenburg gebaut: der Johannissaal mit 96 Plätzen, der Hubertussaal mit bis zu 392. Kein Konzerthaus, sondern Räume, die schon Musik trugen, als es Konzerthäuser noch nicht gab.
Häufige Fragen
Welche Instrumente spielen in einem Streichquartett?
Zwei Violinen, eine Viola und ein Violoncello. Die Besetzung ist seit rund 250 Jahren unverändert und deckt den Tonumfang eines Chors ab — von der ersten Violine als Sopran bis zum Cello als Bass.
Warum gilt das Streichquartett als schwierigste Besetzung?
Weil es sich selbst führen muss. Es gibt keinen Dirigenten, kein Klavier, das Ungenauigkeiten überdeckt, und keine fremde Klangfarbe zum Verstecken. Alle vier Stimmen gehören derselben Instrumentenfamilie an — jede Abweichung ist hörbar.
Wer hat das Streichquartett geprägt?
Joseph Haydn in den 1770er-Jahren. Vor ihm war die erste Geige Solistin und der Rest Begleitung; bei Haydn beginnen alle vier miteinander zu sprechen. Goethe beschrieb das später als Gespräch zwischen vier vernünftigen Leuten.
Welche Streichquartette sind in München zu hören?
Bei Elysium Concerts spielt das Motus Quartett am 14. Mai 2027 Werke von Webern, Schostakowitsch und Schubert im Hubertussaal von Schloss Nymphenburg.
Warum eignet sich ein kleiner Saal besser für Kammermusik?
Weil Kammermusik von der Nähe lebt. Im Johannissaal von Schloss Nymphenburg mit 96 Plätzen hörst du das Atmen vor dem Einsatz und siehst, wie sich die Musiker ansehen, bevor eine Stelle beginnt.