Kairi Fuse
Viola
Biografie
Der japanische Bratschist Kairi Fuse zählt zu den profiliertesten jungen Vertretern seines Fachs. Sein Weg führte ihn von der Geige zur Bratsche, sein Repertoire reicht von der Wiener Klassik bis zur Musik des 20. und 21. Jahrhunderts.
1998 in Japan geboren, begann Fuse früh mit dem Geigenunterricht und studierte zunächst Violine bei Kumiko Eto am Toho Gakuen College in Tokio, parallel war er an der Toho Orchestra Academy eingeschrieben. 2021 setzte er sein Studium am Moskauer Konservatorium bei Sergey Kravchenko fort, musste es jedoch wegen der politischen Situation in Russland abbrechen und nahm in Deutschland — auf Empfehlung von Ingolf Turban — das Bratschenstudium auf. Seit 2023 studiert er Viola an der Hochschule für Musik und Theater München, zunächst bei Nils Mönkemeyer, seit Winter 2025 bei Hariolf Schlichtig; Kammermusik-Unterricht erhält er u.a. bei Rafaël Merlin (Quatuor Ébène). Er ist Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes und von Live Music Now München; künstlerische Impulse kamen u.a. von Daniel Gaede, Zakhar Bron, Kim Kashkashian und Nobuko Imai.
Bei Elysium Concerts ist Kairi Fuse am 8. Mai 2026 mit dem Erinnerungsprogramm „Nie Wieder Ist JETZT“ im Johannissaal von Schloss Nymphenburg zu erleben — gemeinsam mit Melanie Larsson (Saxophon), Simon Luethy (Violine), Thomas Haas (Cello) und Haruka Ogawa (Klavier). Der Abend kombiniert Werke von Arvo Pärt, Gideon Klein und Hans Krása mit Lyrik von Paul Celan und Zitaten Überlebender — ein musikalisches Zeichen für Menschlichkeit, Erinnerung und Versöhnung.
Im Gespräch
Was bedeutet dir das Programm „Nie Wieder Ist JETZT“ persönlich?
Es ist eines der ernsthaftesten Programme, in denen ich gespielt habe — Werke von Komponisten wie Gideon Klein und Hans Krása, die in Theresienstadt geschrieben wurden und die Shoah nicht überlebt haben. Damit umzugehen verlangt nicht nur musikalische, sondern auch mentale Vorbereitung. Es ist Musik, die nicht nur klingt, sondern erinnert.
Du spielst Gideon Kleins Streichtrio (1944, Theresienstadt). Wie nähert man sich so einem Werk?
Indem man über die Geschichte hinaus zur Musik kommt. Klein war 25, als er das Trio schrieb — und obwohl die Umstände kaum schlimmer hätten sein können, ist das Stück nicht nur Klage. Es hat formale Strenge und auch Momente fast trotziger Schönheit. Diese Doppelschicht muss man hörbar machen, ohne sie zu erklären.
Du bist von der Geige zur Bratsche gewechselt — was bedeutet dir dieser Wechsel im Rückblick?
Der Wechsel kam unter äußerem Druck — als ich 2022 Moskau verlassen musste, war für mich vieles unklar, und Ingolf Turban hat mir die Bratsche empfohlen. Heute bin ich froh darüber. Die Bratsche hat eine Innerlichkeit, die mir besser entspricht als die Geige; sie zwingt mich zum Hören, nicht nur zum Spielen.
Du studierst bei Nils Mönkemeyer in München. Was lernst du bei ihm, was du anderswo nicht gelernt hättest?
Nils' Klangästhetik ist sehr aufmerksam — er hört unglaublich genau, ohne je technisch zu werden. Das hat mich vor allem in der Phrasenführung verändert. Bei ihm lernt man, dass die Bratsche keine kleinere Geige und kein größeres Cello ist, sondern eine eigene Stimme.
Was unterscheidet den Johannissaal in Schloss Nymphenburg für ein Programm wie „Nie Wieder Ist JETZT“?
Der Saal trägt leise Töne mit derselben Würde wie laute — und genau das braucht ein Programm, das mit Stille und Erinnerung arbeitet. Die historische Atmosphäre verstärkt diese Wirkung zusätzlich. Hier wird das Erinnerungsprojekt zu einem Raum-Ereignis, nicht nur zu einem Konzert.