Thomas Haas
Cello
Biografie
Der deutsche Cellist Thomas Haas (geb. 2002) zählt zu den profiliertesten jungen Cellisten seiner Generation. Sein Repertoire reicht von der Wiener Klassik bis ins 20. Jahrhundert, mit besonderem Schwerpunkt auf Sonatenliteratur und kammermusikalischer Arbeit.
Mit fünf Jahren erhielt Haas seinen ersten Celloundterricht bei Joachim Hess und Lisa Neßling, bevor er als Pre-College-Studierender bei Conradin Brotbek an der HMDK Stuttgart studierte. Seit 2020 absolviert er sein Bachelor-Studium bei Sebastian Klinger an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg; ergänzende Impulse kamen aus Meisterkursen mit Daniel Müller-Schott, Jens Peter Maintz, Wen-Sinn Yang und Arto Noras. Er ist Preisträger zahlreicher Wettbewerbe — darunter zwei 1. Preise beim Bundeswettbewerb Jugend Musiziert (2016, 2019), 1. Preis beim Elise-Meyer-Wettbewerb 2021 sowie ein Preis beim Antonio Janigro Junior International Competition 2022. Seit 2020 ist er Stipendiat der Deutschen Stiftung Musikleben, seit 2022 zusätzlich der Studienstiftung des deutschen Volkes. Er konzertiert als Solist u.a. mit der Neuen Philharmonie München und gründete 2021 das Tovesco Trio.
Bei Elysium Concerts ist Thomas Haas am 8. Mai 2026 mit dem Erinnerungsprogramm „Nie Wieder Ist JETZT“ im Johannissaal von Schloss Nymphenburg zu erleben — gemeinsam mit Melanie Larsson (Saxophon), Simon Luethy (Violine), Kairi Fuse (Viola) und Haruka Ogawa (Klavier). Der Abend kombiniert Werke von Arvo Pärt, Gideon Klein und Hans Krása mit Lyrik von Paul Celan und Zitaten Überlebender — ein musikalisches Zeichen für Menschlichkeit, Erinnerung und Versöhnung.
Im Gespräch
Was bedeutet dir das Programm „Nie Wieder Ist JETZT“ persönlich?
Es ist eines der ernsthaftesten Programme, in denen ich gespielt habe — Werke von Komponisten, die in Theresienstadt schrieben und die Shoah nicht überlebten, kombiniert mit Lyrik von Paul Celan. Ein Cello in einem solchen Kontext zu spielen heißt, sehr genau abzuwägen, wann der Klang schwer werden darf und wann er sich zurücknehmen muss. Solche Programme verändern die eigene Vorstellung von Konzert.
Du spielst Gideon Kleins Streichtrio (1944, Theresienstadt). Wie nähert man sich so einem Werk?
Indem man die Geschichte kennt, ohne sie über die Musik zu legen. Das Trio hat formale Strenge und auch Momente fast trotziger Schönheit — das macht es so erschütternd. Im Kammermusikspiel zu dritt entsteht eine Konzentration, die jedem einzelnen Ton Bedeutung gibt; bei einem Werk wie diesem ist das essenziell.
Du studierst bei Sebastian Klinger in Hamburg. Was nimmst du von seiner Schule mit?
Sebastian arbeitet sehr körperlich am Cello — Klang ist für ihn untrennbar mit physischer Bewegung verbunden. Das hat meine Spielweise grundlegend verändert: ich denke heute weniger in Fingersätzen, mehr in Atemzügen. Die Klarheit, mit der er Phrasen aufbaut, ist etwas, das ich in jeder Probe weiterzuverarbeiten versuche.
Du hast 2021 das Tovesco Trio mitbegründet. Was bedeutet dir die Kammermusik-Arbeit im festen Ensemble?
Im Trio entsteht über die Zeit ein gemeinsames Hören, das man in Ad-hoc-Besetzungen nie erreicht. Man lernt die musikalischen Reflexe der anderen kennen, weiß, wann jemand zögert oder vorprescht. Diese Vertrautheit ist für mich der eigentliche Wert eines festen Ensembles — sie verändert auch die Art, wie ich überhaupt Cello spiele.
Was unterscheidet den Johannissaal in Schloss Nymphenburg für das Cello?
Der Saal trägt die tiefen Lagen mit großer Wärme — das ist für ein Cello besonders dankbar. Die historische Akustik macht die Resonanzen voll, ohne die Klarheit zu verlieren. Bei einem Programm wie „Nie Wieder Ist JETZT“, das sehr leise Stellen genauso braucht wie expressive Aufschwünge, ist diese Akustik ideal.